Was genau ist eigentlich Yoga?

Yogas citta – vritti – nirodhah

Yoga ist das Zur – Ruhe – Bringen der Gedanken im Geist

Tada drastuh svarupe vasthanam

Dann ruht der Wahrnehmende (der Sehende) in seiner wahren Natur

Vrittisarupyamitaratra

In allen anderen Zuständen identifiziert sich der Wahrnehmende mit seinen Gedanken

Quelle: Die Yogaweisheiten des Patanjali für Menschen von heute von Sukadev Volker Bretz. (Das Kauderwelsch nennt sich Sanskrit und ist eine Alt-Indische Sprache)

 

Klingt ja eigentlich ganz einfach. Hinsetzen, an Nichts denken, Klappe halten und … tada Erleuchtung.

Das mit dem Klappe halten mag ja für die meisten noch recht einfach sein aber wer schon mal versucht hat an „Nichts“ zu denken, wird wahrscheinlich recht schnell merken, dass das gar nicht so einfach ist. Kaum hat man die Augen geschlossen, schießen uns unzählige Gedanken in den Kopf und veranstalten einen regelrechten Affentanz. Je mehr wir versuchen an „Nichts“ zu denken, umso unruhiger werden wir. Unsere Gedanken hüpfen auf und nieder und springen von Ast zu Ast. Ganz so, wie eine Horde wildgewordener Affen, die scheinbar nicht zu bändigen ist. Wenn dann noch das eine oder andere körperliche Zwicken dazu kommt, ist es meist ganz vorbei. Das Geheimnis liegt auch nicht im „Nichts-Denken“, sondern im Konzentrieren auf den momentanen Augenblick. Yoga kann uns dabei helfen, wie wir unsere Gedanken zentrieren können und somit zu mehr Konzentration, Gelassenheit und zu einer Einheit mit Körper und Geist verschmelzen.

Yoga ist eine aus Indien stammende philosophische Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen umfasst. Es gibt Überlieferungen, die bis 5000 Jahre v Chr. zurückreichen. Das Wort Yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie Einheit, Vereinigung, Harmonie. Manchmal wird es auch mit Joch oder anjochen übersetzt. Hier ist das Anjochen des Geistes und des Körpers aneinander gemeint.

Obwohl der Yoga seine Wurzeln im Hinduismus und im Buddhismus hat, ist er keine Religion und wird von Menschen mit den unterschiedlichsten Glaubensrichtlinien betrieben.

 

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Shiva Nataraya – der tanzende Shiva als Symbol von Schöpfung, Zerstörung und Wiedererschaffung

In der ursprünglichen Yogalehre ging es darum, zu erfahren wie unser Geist funktioniert und was wir tun können um ihn ruhiger, gesammelter und friedlicher zu machen. Auch hat die Naturverbundenheit und das Miteinander einen sehr hohen Stellenwert, denn die alten Schriften besagen, dass alles irgendwie zusammen hängt. Alles was wir tun hat Auswirkungen! Auf uns, unsere Mitmenschen und die Natur. Das faszinierende an den alten Yogaschriften und Lehren, die zum Teil mehrere tausend Jahre alt sind, sind die unzähligen Parallelen zu heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. So findet man Parallelen in der modernen Psychologie, sowie der Quantenphysik, der Quantenmechanik, der theoretischen Physik und der Astrophysik. Wer sich hierfür interessiert, dem kann ich das Buch von Dr. Stephen Hawking (08.01.1942 – 14.03.2018) „Die kurze Geschichte der Zeit“ sehr empfehlen. Dr. Stephen Hawking war einer der renommiertesten Physiker unserer Zeit. Er forschte unteranderem an der allgemeinen Relativitätstheorie und an sogenannten schwarzen Löchern. Heutzutage steht im Yoga, vor allem im Westen, besonders die körperliche Komponente und der Kommerz  im Mittelpunkt. Viele sind sich der Tiefgründigkeit des Yoga gar nicht bewusst und der ursprüngliche Gedanke geht immer mehr verloren.

Yoga ist überwältigend facettenreich und lässt sich nur schwer in wenigen Worten definieren. Je nach Tradition gibt es unterschiedliche Regeln, Strukturen und jedes Prinzip hat seine eigenen Ausnahmen. Seit seinem Bestehen gab es immer wieder Neuerungen und Wandlungen. So gibt es für jeden Menschen den passenden „Yogaweg“. Nichts ist falsch, alles ist richtig. Alle Traditionen haben jedoch eines gemeinsam: Sie befassen sich mit der Entwicklung des eigenen Bewusstseins.

 

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Ganesha – Symbol des Neuanfangs, Zerstörer der Hindernisse und Sohn von Shiva

Um unser höchstes Bewusstsein zu erreichen, kann man den Yoga auf unterschiedlichen Wegen beschreiten:

Jnana Yoga

der Yoga des Wissens, der Erkenntnis und der Philosophie

Der Jana Yoga beschäftigt sich unteranderem mit den Fragen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es Gerechtigkeit? Und wie überwinde ich mein Ego?

Das Studium der Schriften, das Selbststudium und die Meditation sind die größten Bestandteile des Janan Yoga.

Der Jnana Yoga basiert auf der Vedanta Philosophie. Zu den wichtigsten Büchern gehören die Veden und die Upanischaden.

Raja Yoga

der Yoga der Geistesbeherrschung

Der Raja Yoga beschäftigt sich mit der Kontrolle des Geistes und der Gedanken. Raja bedeutet König oder Herrscher, also der König/Herrscher über seinen eigenen Geist zu sein. Hierfür gibt es acht Stufen (Verhaltensregeln) die auch Ashtanga Yoga genannt werden

  • Yama – 5 ethische Verhaltensregeln
  • Niyama – 5 Regeln der Selbstdisziplin
  • Asana – Schulung und Reinigung des Körpers mittels Yogaübungen
  • Pranayama – Atemübungen
  • Pratyahara – zurückziehen der Sinne von der Außenwelt
  • Dharana -Konzentration der Sinne auf nur einen Gedanken
  • Dhyana – Meditation
  • Samadhi – Überbewusstsein, Einheitsbewusstsein

Bhakti Yoga

der Yoga der Liebe und Hingabe zu Gott

Um Bhakti Yoga zu praktizieren bedarf es nicht das Studieren der Schriften. Bhakti Yoga praktiziert man durch Hingabe und Enthusiasmus an die Natur mit all ihren Lebewesen.

Wesentliche Bestandteile des Bhakti Yoga sind

  • Japa – Rezitieren von Mantren oder Gebeten
  • Kirtan / Bhajans – Wechselgesang von Mantren, Gebeten oder göttliche Namen
  • Pujas – religiöse Zeremonien
  • Seva – Uneigennütziges Handeln

Zu den wichtigsten Schriften zählt die Bhagavad Gita

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Krishna – achte Inkarnation des Gottes Vishnu, der als Erhalter der Welt gilt.

Karma Yoga

der Yoga des Handelns

Der Karma Yoga beschäftigt sich mit unserem Tun und dessen Auswirkungen. Alles was wir Tun oder auch nicht Tun kommt irgendwann zu uns zurück. Hierunter zählen auch unsere Beweggründe. Karma Yoga lehrt den Weg der eigenen Taten ohne Anhaftung an Erfolge, Anerkennung oder Belohnungen. Es wird das uneigennützige und selbstlose Handeln angestrebt.

Hatha Yoga

der Yoga des Gleichgewichts von Körper und Geist

Im Hatha Yoga werden die körperlichen Aspekte angesprochen. Hierunter zählen die

  • Asanas – Körperübungen
  • Pranayama – Atemübungen
  • Shatkrias – Reinigung des Körpers
  • Shavasana – Tiefenentspannung
  • Richtige Ernährung
  • Positives Denken und Meditation

Kundalini Yoga

der Yoga der Energie

Der Kundalini Yoga dienst zur Steigerung der Lebensenergie (Prana). Die Kundalini wird meist als Schlange dargestellt, die zusammengerollt am unteren Ende unserer Wirbelsäule ruht. Durch verschiedene Übungen soll die Kundalinienergie langsam geweckt werden, so dass sie sich an unserer Wirbelsäule langsam nach oben bis zum Schädel schlängeln kann. Hierbei werden unteranderem, mit dynamischen Körperübungen, die Energiezentren (Chakren) an der Wirbelsäule harmonisiert und geöffnet damit das Prana frei nach oben fließen kann.

 

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